50 Jahre sp├Ąter

Die 68er im Cartoon

von Frank Becker

Titel-Cartoon: Tim Oliver Feicke
50 Jahre später
 
Ein weiteres Buch feiert die 68er
 
Kaum einer Jahreszahl unserer jüngeren Vergangenheit wird soviel Bedeutung zugemessen wie der von 1968, einem Mythos. Und in der Tat lassen sich einschneidende gesellschaftspolitische, philosophische und kulturelle Veränderungen bzw. deren Beginn an diesem Jahr festmachen. Also läßt man heute, ein halbes Jahrhundert (wie sich das anhört!) danach – die einen ein bißchem mit dem alten Zorn, die anderen mit der Wehmut der Nostalgie im Herzen – diese Zeit, die sich ja nicht auf das Jahr beschränkte, Revue passieren. Ein Grund auch zum Feiern? Auf jeden Fall für jene, die damals dabei waren. Gut, fliegende Pflastersteine, Vietnamkrieg, blutige Studentenunruhen und die harte Reaktion des Staates darauf geben zum Feiern wenig Grund. Aber Blumen im Haar, die Beatles, Underground-Kultur, Jimi Hendrix, Pop Art, Uschi Glas und Uschi Obermaier, Sex, Drugs und Rock'n Roll schon. Denn neben der gewalttätigen politischen Auseinandersetzung auf der Straße gab es auch die Flower Power der Blumenkinder, die harmlosen kiffenden Hippies, freie Liebe und gewaltfreien, originellen Protest
 
Zur Erinnerung an 1968 und die Folgen 50 Jahre später hat Saskia Wagner für den Lappan Verlag eine Cartoon-Querschnitt zum Thema zusammengestellt, der künstlerische Zeitzeugen, Nachgeborene und Epigonen zu Wort bzw. zu Bild kommen läßt. Mit Freude trifft man vertraute Namen und vertrauten Strich aus „Pardon“-Zeiten wieder, schlägt man die Seiten von u.a. Chlodwig Poth („Mein progressiver Alltag“), Gerhard Seyfried („Freakadellen und Bulletten“), Franziska Becker, Erich Rauschenbach oder Freimut Woessner auf.


© Gerhard Seyfried

Erstaunlicherweise haben aber auch die Zeichner, die heute die Szene dominieren, ein sicheres Händchen dafür, wie man die 68er auf die Schippe nimmt. Vermutlich haben sie das 68er Gen mit der Muttermilch aufgesogen. Damals hievte so manche progressive Mutter, besonders gerne in der Öffentlichkeit, ihre milchschwere Brust aus der Bluse, um ihr Kind zu nähren - sozusagen ein still(end)er Protest.
 
Aber lassen wir einige der 36 Damen und Herren zu Wort kommen, deren Blätter die 68er bis in deren Rentenalter aufleben lassen – na klar, die damals Krawall gemacht haben, haben heute die dritten Zähne…
Das Buch zum Kennenlernen der 68er für die einen oder zum Erinnern an alte Zeiten für die anderen ist gleichzeitig Ausstellungskatalog der Caricatura in Kassel, ab Mitte Mai.
 

© Hauck & Bauer


© Ari Plikat


© Erich Rauschenbach


© Harm Bengen

 
  © Dorthe Landschulz

„Die 68er“ - hrsg. von Saskia Wagner
 
© 2018 Lappan Verlag, 128 Seiten, gebunden – ISBN: 978-3-8303-3487-3
14,- €
 

  © Gerhard Seyfried

Weitere Informationen: www.carlsen.de/