Ein Tribut

Wolfgang Schmidtke Orchestra – „Monk!“

von Frank Becker

Ein Tribut
 
Wolfgang Schmidtke Orchestra „Monk!“
 
Mit seinem Wolfgang Schmidtke Orchestra bestritt der Wuppertaler Saxophonist, Komponist und Arrangeur Wolfgang Schmidtke im Dezember 1997 in der Theater-Ära unter Intendant Holk Freytag das erste Wuppertaler Nachtfoyer-Konzert im Wuppertaler Schauspielhaus. Gastsolist war damals der legendäre Bassist Peter Kowald, und gespielt wurden ausschließlich Stücke von John Coltrane.
„So etwas gibt es bei uns nicht, das ist einmalig“, kommentieren seither von weither angereiste Stars der internationalen Jazz-Szene das Projekt. Und wer ist nicht alles aufgetreten: das Stefano Bollani Trio, Alexander von Schlippenbach, Peter Brötzmann, Willem Breuker, Hans Reichel, Aki Takase, das Tomasz Stanko Quartet, Simon Nabatov + Nils Wogram, das Louis Sclavis/Aldo Romano/Henri Texier Trio, Charles Peterson + Jasper van´t Hof, das Joachim Kühn Trio, Horace Parlan, die WDR Bigband, Arkadi Shilkloper, Markus Stockhausen + Conny Bauer, Steve Lacy, Alan Skidmore, das Trio Frank Chastenier/John Goldsby/Hans Dekker. Und das ist nur eine kleine Auswahl.
 
Eine musikalisch unerhört reiche Tradition wurde damals begründet, denn es gelang dem Jazz-Allrounder, trotz städtisch verordnetem Sparzwang (ich nenne mal einen Namen hier ausdrücklich nicht), sein Nachtfoyer über diverse Intendanzen zu retten. Zwanzig Spielzeiten nach dem Beginn gilt weiterhin ein klares Bekenntnis zur reichen Tradition des Jazz und ebenso der erklärte Wille, es nicht bei der Traditionspflege zu belassen, sondern das Erbe des Jazz aus dem Geist des Jetzt zu spielen.
Der Jazz-Gigant Thelonious Monk zählt zu Wolfgang Schmidtkes Favoriten: Schon 1999/2001 spielte er mit (s)einem damals völlig anders zusammengesetzten Orchestra eine brillante CD ein: „Monk´s Mood“, die allerdings erst 2013 beim Label jazzwerkstatt veröffentlicht wurde. Ein Markstein. Etliche Musiker der damaligen Besetzung (darunter u.a. Annette Gaddatsch und Harro Eller) waren am 6. April 2018 im Publikum zu sehen, als Wolfgang Schmidtke im „Nachtfoyer“ das neue Monk-Projekt mit neuer internationaler Besetzung vorstellte: „Monk!“.


Wolfgang Schmidtke Orchestra - Foto © Frank Becker


v.l.: Nicola Fazzini Gerd Dudek Helga Plankensteiner - Foto © Karl-Heinz Krauskopf
 
 
Wolfgang Schmidtke Orchestra - links: Michel Lösch (p), Igos Spallati (b) - Foto © Frank Becker

Am 10. Oktober 2017, dem 100. Geburtstag von Thelonious Monk, hatte das Wolfgang Schmidtke Orchestra in Berlin ein Rundfunkkonzert gegeben, das vom rbb aufgezeichnet und nun mit diesem Nachtfoyer vorgestellt wurde. 16 Monk-Stücke hatte Wolfgang Schmidtke für das neue Konzert-Projekt arrangiert, acht davon präsentiert jetzt die CD – und nur eins davon war schon auf „Monk´s Mood“ zu hören: „Skippy“.
Das von Schmidtke moderierte Konzert im mehr als ausverkauften Opernhaus-Foyer - ein echtes Heimspiel - brachte dem All-Star-Orchester viel Lob ein, doch kann die ebenfalls beim Label jazzwerkstatt erschienene aktuelle CD in der Qualität von Sound, Mix und Mastering den Rang des Vorgänger-Albums  „Monk´s Mood“ nicht ganz erreichen. Das ist besonders schade, denn an Arrangements und Performance, am Orchester und den Bläser-Sektionen sowie den Solisten ist wahrlich nichts auszusetzen. Doch was live zu hören war, kann der Berliner Mitschnitt nicht wiedergeben. Vor allem und zu Recht wurden im Wuppertaler Konzert Alt-Star Gerd Dudek (ts, ss) und Jung-Star Helga Plankensteiner (bs) neben Bandchef Wolfgang Schmidtke (ss, bcl), dessen Arrangements des Meisters würdig sind, besonders gefeatured und gefeiert. Ein Jazz-Abend, wie er selten geboten wird - und der nachhaltig in bester Erinnerung bleibt.

 
Wolfgang Schmidtke Orchestra, das „Blech“ - Foto © Frank Becker

Wolfgang Schmidtke Orchestra – „Monk!“
(P) & © 2018 jazzwerkstatt
 
Ryan Carniaux, John-Dennis Renken, Martin Ohrwalder, Nikolaus Neuser (tp) - Gerhard Gschlößl, Thorsten Heitzmann, Mike Rafalczyk (tb) - Peter Cazzanelli (btb) - Nicola Fazzini (as) - Gerd Dudek (ts, ss) - Helga Plankensteiner (bs) - Michel Lösch (p) - Igor Spallati (b) - Bernd Oezsevim (dr) - Wolfgang Schmidtke (ss, bcl, arr.)
 
Titel: 1. Friday the 13th – 2. In Walked Bud – 3. Pannonica – 4. Skippy – 5. Monk´s Mood – 6. Epistrophy – 7. Thelonious – 8. Introspection
Gesamtzeit: 45:52
 
Weitere Informationen: http://www.jazzwerkstatt.eu