Eine scheu▀liche Geschichte

von Eugen Egner

Dichter, auf ein Gedicht wartend  © Joachim Klinger 

Eine scheußliche Geschichte


Beim Dichten gerät der Dichter unversehens ins Stocken und beschließt, das nahe Wirtshaus aufzusuchen.

"Das Schreibzeug nehm ich mit, es könnt mir was ein­fallen", spricht er zu sich selbst und tritt aus dem Haus. Da fährt der berüchtigte dicke Dreiradfahrer dicht an ihm vorbei, mitten durch eine Pfütze, daß der Schlamm aufs weiße Papier spritzt. Der Dichter ist außer sich vor Wut. Während er noch brüllt und flucht, kommt der dicke Dreiradfahrer zurück, reißt dem Dichter das Schreib­zeug aus der Hand, schmeißt's in die Pfütze und schubst den Dichter hinterdrein. Ja, der boshafte Kerl schickt sich sogar an, sein im Kot liegendes Opfer mit dem Drei­rad zu überrollen. Es gilt das Leben!

Geistesgegenwärtig erschießt der Dichter den dicken Dreiradfahrer. Er hat, wie der hinzugetretene Gendarm bestätigt, in Notwehr gehandelt. Jetzt aber erst recht ins Wirtshaus, auch ohne Schreibzeug!

Der Gendarm bittet sich den Leichnam des dicken Dreiradfahrers aus, seine Frau könne zum Nachtmahl noch etwas daraus machen.


© Eugen Egner