Vivat Academia!

Die Friedrich-Schiller-Universitšt Jena - Erinnerungen in Fotografien

von Frank Becker
Vivat Academia!

Der auf Städte- und Landschaftsportraits, Sport, Zeitgeschichte, Regionalia  sowie auf die "alte" DDR und historische Archive spezialisierte Erfurter Sutton-Verlag hat sich seit einigen Jahren auch der Geschichte der deutschen Hochschulen in einer äußerst interessanten Serie von Buchveröffentlichungen mit historischen Fotografien angenommen. In  der Reihe "Campusbilder" liegen bereits etliche Bände vor - mit dem jüngsten und zwei Vorgängern möchte ich ihnen die Reihe hier vorstellen.

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena gehört zu den ältesten und renommiertesten Hochschulen Deutschlands. 1558 vom
protestantischen sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. gegründet, hat sie eine der längsten Traditionen der akademischen Lehre. Mit dem Beginn der Jenaischen "Wehrschaft" im August 1814 und der Gründung der Jenaischen (Ur-)Burschenschaft am 12. Juni 1815 ist Jena auch einer der ältesten Standorte des Verbindungs-Studententums.

Namen wie Carl Zeiss, Johann Heinrich Voß, Kurt Tucholsky, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Ernst Moritz Arndt, Friedrich Schiller, Alfred Brehm, Matthias Claudius, Clemens Brentano, Anselm Feuerbach, Ernst Haeckel, Kuno Fischer, Otto von Guericke, Wilhelm Leibnitz, Friedrich Gottlieb Klopstock, Friedrich Rückert, Philipp Melanchton, Friedrich Karl von Savigny und Friedrich Wilhelm Schelling (um nur einige zu nennen) sind als Studierende wie als Lehrer mit dem Namen der Universität Jena, die übrigens erst seit 1934 den Namen Friedrich Schillers  trägt, untrennbar verbunden. Frank Stella und Eduard Schewardnadse tragen den Ehrendoktor-Titel Jenas ebenso wie Joachim Gauck, Emil Schmacher und Hildegard Hamm-Brücher.

Walther, J. Bauer, M. Hartleb und Th. Pester haben aus Archiven und Privatbeständen Bilder zusammengetragen, die vom Beginn
der Fotografie bis heute die wechselvollen Entwicklungen der Jenenser Universität dokumentieren. Verdienstvoll ist, daß auch dem Verbindungsstudententum, das einst die Blüte deutscher Hochschulen brachte und bis zur braunen "Machtübernahme" sicherte, angemessener Raum gegeben wird. Die unbedingte Liberalität der Corps und das Streben nach Unabhängigkeit von Burschenschaften, Turnerschaften, Landsmannschaften u.a., die Weigerung sich gleichschalten zu lassen, wurde von den Nazis ebenso gefürchtet wie von den Kommunisten. Verbote waren die Folge. Die Neugründung in der DDR suspendierter Corps und Burschenschaften nach 1990 wurde bedauerlicherweise nicht beachtet. Daß hingegen die Zeit der braunen und der roten Diktatur nicht ausgespart wurde, ist nachdrücklich zu begrüßen. Nur so kann ein zeitgeschichtlich vollständiges Portrait entstehen.

Nicht weniger verdienstvoll, weil ähnlich umfangreich mit allerdings entsprechenden Versäumnissen aber dennoch interessant zusammengestellt, sind die mir vorliegenden Bände über die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - hier ragen die Namen Joseph von Eichendorff, Heinrich Hoffmann, Golo Mann, Robert Schumann, Anna Seghers, Joseph Viktor von Scheffel, Robert Bunsen, Max Weber und Otto Schmeil monolithisch heraus - (hrsg. von Sabine Happ und Werner Moritz) und die Eberhard Karls Universität Tübingen (hrsg. von Irmela Bauer Klöden und Johannes Michael Wischnath). Tübingen verbindet sich mit nicht weniger großen Lehrern und Absolventen, denken wir nur an Adolf Butenandt, Marcel Reich-Ranicki, Ernst Bloch, Gustav Schwab, Sten Nadolny, Ludwig Uhland, Walter Jens, Justinus Kerner, Eduard Mörike, Friedrich Hölderlin und Joseph Ratzinger.

Was allerdings allen Bänden fehlt, ist ein Namensregister, das beim Auffinden bestimmter Personen helfen würde. Neuauflagen der begehrten Bücher könnten das berücksichtigen.

Beispielbild


Die Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erinnerungen in Fotografien

zusammengetragen von H. G. Walther, J. Bauer, M. Hartleb und Th. Pester

© 2006 Sutton Verlag Erfurt

Broschur, 127 Seiten mit zahlreichen historischen Fotografien
17,90 €

Weitere Informationen unter:
www.suttonverlag.de

Bereits erschienen:



Die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Ansichten - Einsichten - Rückblicke
hrsg. von Sabine Happ und Werner Moritz

© 2003 Sutton Verlag Erfurt

  

Die Eberhard Karls Universität Tübingen
Geschichte in Bildern

© 2001 Irmela Bauer-Klöden und Johannes Michael Wischnath -
erschienen im Sutton Verlag 2001
(vergriffen)