Bochum: A Tribute to Johnny Cash ein Sensationserfolg

Das Leben des Man in Black als grandiose B├╝hnen-Show

von Andreas Rehnolt

www.musenblaetter.de
Liederabend zu Johnny Cash begeistert
in Bochum


Vor allem Thomas Anzenhofer singt und spielt in
"A Tribute To Johnny Cash" den Man in Black wundervoll


Bochum - Fünf Jahre nach seinem Tod war es wohl an der Zeit für einen Liederabend mit Songs von Johnny Cash. Vielleicht haben auch das Broadway-Musical und der zu Recht mit einem Oscar gekrönte Film über Leben und Werk des konservativen und zornigen Man in Black die Verantwortlichen im Bochumer Schauspielhaus dazu angeregt, sich am 14. März mit der Premiere "A Tribute To Johnny Cah" in den Kammerspielen auf die musikalische Spurensuche nach dem Sänger zu begeben. Keine Bühnen-Biografie sondern satte 150 Minuten Konzertatmosphäre live im Theater inclusive dreier Zugaben und einem Büstenhalter, der aus dem Publikum dem grandiosen Thomas Anzenhofer vor die spitz-schwarzen Stiefel geworfen wurde.

Anzenhofer glänzte auf der von Julia Ströder düster-dunkel gehaltenen Bühne, die tatsächlich mal wie


Thomas Anzenhofer - Foto © Schauspielhaus Bochum
eine Kneipe, mal wie ein heruntergekommener Straßenzug oder eine Gefängnis-Aula wirkte. Die begeisterten Zuschauer zwischen 20 und 70 Jahren erfuhren zwischen " I Walk The Line", "Ring of Fire" oder "Get Rhythm" auch immer wieder kleine Details aus dem Leben von Johnny Cash. Kindheit und früher Tod des Bruders, Versuche als Vertreter, erste musikalische Erfolge, Welthits, jede Menge Drogen und Beinahe-Ende vor der Liebesrettung durch die Sangeskollegin June Carter. Doch das wußten und wissen die Cash-Fans im Schauspielhaus der traditionsreichen Bochumer Bühne ja ohnehin.

Und so kann man als Zuschauer den Abend genießen und in Erinnerungen alter Cash-Auftritte oder Plattencover schwelgen. Gekreische im vollbesetzten Saal bei der Premiere, rhythmisches Klatschen und vereinzeltes Mitsingen sind bei diesem Theaterabend vorprogrammiert und durchaus angenehme Begleiterscheinung für das Treiben auf der Bühne. Wer kurz die Augen schließt, für den mutiert Anzenhofer mit seinem narbig-kantigen Gesicht durch seine schöne, sonore Stimme zu Johnny Cash. Man sieht und hört förmlich, wie der Schauspieler sich mit jeder Faser seines Körpers in den großartigen Sänger verwandelt. Auch Oliver Möller überzeugt in den Szenen, in denen er den extrovertierten, jungen und voll auf Alkohol und Tabletten abfahrenden Cash spielt und singt. Etwas weniger präsent ist Karin Moog in der Rolle der Sängerin und zweiten Frau von Johnny Cash, June Carter.

Regisseur Arne Nobel hat dem Trio der Schauspieler fünf Musiker zur Seite gestellt, die schlichtweg grandios und wunderbar spielen. Allen voran Karsten Riedel am Schlagzeug, der seine Instrumente mal prügelt und mal zärtlich streichelt und ihnen so sämtliche Töne in der nach unten und oben offenen Skala der Cash-Band-Begleitung entlockt. Auch Klavier, Gitarre, Waschbrett oder Trompete sind Spitze. Fantastisch, wie die Musikertruppe beim Knast-Song "San Quentin" Kühlschranktüren zuhaut, Spaten gegeneinander schlägt und mit einer Hacke den Bühnenboden bearbeitet. Da kommen die Akteure von "Stomp" nicht mit.

Langanhaltender, fast tosender Applaus nach 30 zumeist wunderbaren Liedern, darunter "Beast in Me", "A Thing called Love" und "We'll meet again". Neben besagtem Büstenhalter flogen am Ende auch noch ein paar Rosen auf die Bühne.

Nächste Termine: 22. und 31. März (19.30), 10. April (20.00), 18. und 24. April (19.30)
Karten-Tickets: 0234-3333-5555

Weitere Informationen unter: www.schauspielhausbochum.de