Edgar Degas und Auguste Rodin

Eine F├╝hrung durch die Wuppertaler Ausstellung - Kapitel 12

von Gerhard Finckh

Auguste Rodin, Der Denker ca. 1880 - Foto © Frank Becker

Edgar Degas und Auguste Rodin
Wettlauf der Giganten zur Moderne

25. Oktober 2016 – 26. Februar 2017
im Von der Heydt-Museum Wuppertal

B
is zum 26. Februar 2017 zeigt das Von der Heydt-Museum in Wuppertal mit der Gegenüberstellung von Werken des Malers Edgar Degas und des Bildhauers Auguste Rodin die erste Ausstellung dieser Art überhaupt. Der Museumsdirektor und Kurator Dr. Gerhard Finkh führt mit kurzen Kapiteln, die wir in den kommenden Wochen vorstellen, in die Chronologie der Ausstellung ein.


Kapitel 12 / Raum 12
Edgar Degas und Auguste Rodin
Der Ruhm der letzten Jahre
 
Um 1900 kam die Zeit, zu der sich Rodins Ruhm über alle Grenzen hinweg verbreitete und ihm den Status eines überragenden Künstlers sicherte. Die Retrospektive seiner Werke aus Anlaß der Weltausstellung von Paris 1900, wofür er ein eigenes Gebäude an der Place d’Alma errichten ließ, wie auch große Ausstellungen in Prag 1902, in Wien 1903, in Düsseldorf 1904 gaben seinem Renommee ungeheuren Auftrieb. Er konnte sich vor Ankäufen und Aufträgen kaum retten, von 1911 an betrieb er mit Unterstützung des französischen Staates das Projekt eines eigenen Museums, das 1919 im Hôtel Biron eröffnet wurde.
Während Rodin seinen Ruhm zu Lebzeiten genießen konnte, machte Degas sein Augenleiden seit den 1870er Jahren zunehmend zu schaffen. Er entwickelte sich zu einem menschenscheuen, eigenbrötlerischen Einzelgänger, den ab 1908 die fast vollständige Erblindung zwang, das Zeichnen und Malen aufzugeben, und der von da an nur noch vereinzelt Plastiken in Wachs oder Ton schuf und kaum mehr Besuch empfing. Erst 1911 fand im Fogg Art Museum in den USA die erste Degas gewidmete Museumsausstellung statt, es entstanden erste Bücher über sein Schaffen, immer mehr Museen erwarben seine Werke. Beide Künstler starben 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, Edgar Degas am 27. September, Auguste Rodin am 17. November. Mit ihrer Kunst, die so unterschiedlich ist, und doch auch immer wieder erstaunliche Parallelen aufweist, erweiterten sie die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, die von den nachfolgenden Künstlern der Moderne aufgegriffen wurden.


Edgar Degas, Paul Lafond und Alphonse Cherfils, ein Gemälde prüfend, ca. 1878 - Foto © Frank Becker