Trabant

Martin Roemers begleitete mit der Kamera "Die letzten Tage der Produktion"

von Frank Becker

Das Ende eine Plaste-Fossils

Als am 30. April 1991 der letzte „Trabant“ im Automobilwerk VEB Sachsenring Zwickau vom Band fuhr, endete sang- und klanglos die 44-jährige Geschichte einer Legende. Das Herstellerwerk der Rennpappe wurde „abgewickelt“ wie so viele Überbleibsel der dahingegangenen DDR.

Der holländische Fotograf Martin Roemers hatte zuvor die letzten Produktionsjahre und -tage in dem Werk mit dem geschwungenen S im Kreis mit der Kamera begleitet und einen Arbeitsalltag festgehalten, der heute nahezu steinzeitlich anmutet. Die Bilder der


Foto © Frank Becker
letzten Tage des „Trabant“ sind ein Abgesang auf eine Welt, die von der Gegenwart längst überholt worden war, ein Abgesang auf einen Sozialismus, der real nie existiert hatte. Das Ende des „Trabant“ hat nichts Rührendes, ist nicht von Nostalgie überzuckert – die Bilder des Buches sind ein lange überfälliger Abschied vom Vorgestern.

Ich erinnere mich an die ungezählten Trabis, die ich während der ruhmlosen Geschichte der DDR an den Straßen der Republik und entlang der Interzonenautobahn mit hochgeklappter Motorhaube habe stehen sehen, und mir ist noch das Bild vor Augen, das ich 1989 in Berlin-Pankow sah: ein Müllcontainer, aus dem ein „Trabant“ herausragte – entsorgt im reinsten Wortsinn. Das Auto aus Plaste hatte seine Zeit überlebt, war ein Fossil sozialistischer


Foto © Martin Roemers
Planwirtschaft, das sich die Bürger der Deutschen undemokratischen Republik vom Halse schafften so schnell es ging.

Nichtsdestoweniger sind die stimmungsvollen Schwarz-Weiß- Bilder, mit denen Roemers vor allem die Menschen porträtiert hat, die das hinter der Mauer so begehrte Autochen gebaut haben, eindrucksvoll. Die Gesichter erzählen von Stolz und Zufriedenheit, aber auch schon von Unsicherheit und Resignation. Die Arbeitsbedingungen und die Produktionsstätten, die Roemers im Bild festgehalten hat, sind vorsintflutlich, und man wundert sich nicht, daß ein DDR-Bürger bis zu 12 Jahre auf seinen bestellten „Trabant“ hat warten müssen. Über die Frage der Ersatzteilbeschaffung wollen wir hier gar nicht erst anfangen zu reden.

Man kann festhalten: daß die „Trabant“-Produktion überhaupt nach


Foto © Martin Roemers
der deutschen Wiedervereinigung noch bis 1991 durchgehalten werden konnte, erscheint wie ein Wunder. Daß heute noch rund 50.000 „Trabant“ Zweitakt- knatternd auf  deutschen Straßen rollen, ist ein letzter charmanter Gruß an eine Vergangenheit, die zu verklären sich nicht lohnt, jedoch ein Teil deutscher Geschichte. Martin Roemers kommt der Verdienst zu, diesen Kapitelschluß hervorragend für die Nachwelt und die Archive dokumentiert zu haben.  


Lesen sie auch:
Eine Rennpappe wird 50
Beispielbild
Foto © Martin Roemers

Martin Roemers
Trabant
Die letzten Tage der Produktion.
The Final Days of Production

Text: deutsch/englisch

84 Seiten mit 41 Abb. in Duoton
Format 22 x 24 cm.
Hardcover
19,80 € (D); SFr 34,80 UVP
ISBN 978 3 8030 3324 6


Weitere Informationen unter:
www.wasmuth-verlag.de