Worauf wartet man denn hier?

Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ im Schnelldurchlauf

von Frank Becker

Worauf wartet man denn hier?
 
Sartres „Geschlossene Gesellschaft“
im Schnelldurchlauf
 

Remscheid. Welche Pikanterie, welche Aggressivität, welche Hoffnungslosigkeit, ja und welchen Humor man aus Jean-Paul Sartres Programmstück des Existenzialismus, dem Kammerspiel in der Hölle „Geschlossene Gesellschaft“ herauskitzeln kann, zeigte jüngst das WTT, Remscheids engagiertes kleines Theater in der Inszenierung von Claudia Sowa. Sartre hat seine Hölle weit ab von Dantes brodelndem Inferno skizziert. Keine Folterinstrumente, kein Feuer, kein glühender Rost, nur jeder selbst und die anderen, die sich gegenseitig die Hölle sind. Das birgt neben gebündelter Gesellschaftskritik jede Menge Möglichkeiten für Griffe in die Schatulle der Schauspielkunst. Wenn man es richtig macht.

Die drei Haupt- und ein Nebendarsteller der Detmolder Inszenierung von Esther Muschol haben diese Chance im Wesentlichen verpaßt. Nach vielversprechendem Eingangsdialog zwischen dem ersten „Gast“ Garcin (Henry Klinder) und dem Kellner (Recardo Koppe) geschah eigentlich nicht mehr so richtig was. Das stark gekürzte Stück – nach 60 Minuten war der farblose Spuk zu Ende – konnte nicht recht von der Hölle überzeugen. Was nämlich in dieser Inszenierung gänzlich fehlt, ist die quälende Hitze, in der die Emotionen der für immer ohne Schlaf und ohne Spiegel, nur mit ihrer Schuld zusammen gesperrten Verdammten bis zur gegenseitigen Verletzung hochkochen.

So blieb es zwischen der skrupellosen Inés (Kerstin Klinder), der Kindsmörderin Estelle (Gaby Blum) und dem Feigling Garcin, der wegen Fahnenflucht erschossen wurde und dem das Evasive seiner Figur weitgehend abging, eher ohne große Emotionen.
Den eigentlich inhaltsreichen, wie oben angedeutet wohl stark gekürzten Dialogen fehlte die existenzialistische Explosivität, Kernsätze wie „Angst konnte man vorher haben, als wir noch Hoffnung hatten“,  „Die Hölle, das sind die anderen“ oder „Ihr Schweigen dröhnt mir in den Ohren“ standen isoliert auf  karger Bühne. Nichts gegen eine sparsame Bühne, die zum existenzialistischen Gedanken paßt – drei Stühle auf leerem Rund und drei Personen ganz in Schwarz wie weiland in den 40/50ern würden da genügen. Hier aber blieb der Sinn einer gelegentlich aufflackernden Monitor-Wand mit drei in Lumpen verpackten Bürostühlen weitgehend verborgen. Der Applaus der nur rund 50 Zuschauer war dennoch herzlich, hatten die Darsteller doch gegeben, was sie hatten.

Weitere Informationen und Termine: www.landestheater-detmold.de