Aurora, ├╝bernehmen sie!

Marianne Lang im Monolog einer Putzfrau am Theater

von Alexander Hauer

Foto: Theater Hof
Aurora, übernehmen sie!
 
Monolog einer Putzfrau am Theater
von Rose Kneissler
 
 
Monolog mit Witz, Herz und  Gesangseinlagen. Putzfrau Aurora philosophiert über die Arbeit, ihren Mann, übers Theater und die Kunst, zieht das Publikum ins Vertrauen. Ihre heimliche Leidenschaft sind die Oper und der Bariton Titko. Immer tiefer dringt der Zuschauer ins Seelenleben der Aurora Häussler vor, denn sprechen befreit ...
 
Ein Frauenleben
 
Soweit der Werbetext auf der Internetseite des Hofer Theaters. Dem wäre nichts hinzuzufügen, wäre da nicht die Darstellerin der Aurora Häussler. Marianne Lang, eigentlich schon ein Hofer Urgestein, gibt die Aurora nicht, Marianne Lang lebt sie. Ein ganzes Frauenleben in knapp anderthalb Stunden. Auch die größten Ehedramen, die schlimmsten Enttäuschungen nimmt Aurora mit Humor, immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Aber wie kam sie zu ihrer Putzstelle in einem Reinigungsdienst. Naja, wie  es halt so geht. Man lernt aus, arbeitet in seinem Beruf, wird schwanger, erzieht die Kinder. Aurora gehört noch nicht zu der Generation, die sich auf Krippenplätze verlassen können, in Auroras Generation war die Kindererziehung Muttersache. Ja und dann waren die Kinder aus dem Haus und Aurora wollte wieder zurück in ihren Beruf. Pustekuchen, sie habe den Anschluß verpaßt, die Entwicklung im Berufsleben habe nicht auf sie gewartet. Das Geld wird knapper, der Mann arbeitslos, also in eine Gebäudereinigungsfirma. Und Aurora hat Glück, ihr Arbeitsplatz ist das Theater und sie darf die Bühne putzen. Die Bretter, die die Welt bedeuten, und die auch einmal ihr Traum waren. Im Theater lernt sie den Bariton Titko kennen. Der erkennt ihr Talent, nein, sie sei kein Sopran, sie ist ein Mezzo. Aus den Gesangstunden wird ein Flirt, aus dem Flirt wird ein Verhältnis, bis Titkos Frau dahinterkommt. Aber eins kann man ihr nicht nehmen, die Rolle der Azucena aus Verdis Trovatore hat sie drauf.
 
Die wunderbare Marianne

Marianne Lang vermittelt dieses Wechselbad der Gefühle mehr als glaubwürdig. Während der Premiere in der Hofer Theaterkantine verlor man schnell das Gefühl für den Raum. Das Spiel und die Darstellungskunst der Lang ließen den Zuschauer hineingleiten in die Arbeitswelt der Aurora, ließen den Ehekonflikt beinahe körperlich spürbar werden. Aber auch die Septemberliebe mit Titko findet ihre Entsprechung.
Aber alles das wäre nur die halbe Miete. Marianne Lang ist im wirklichen Leben ein versiertes Theaterpferd. Als Sängerin brilliert sie in Hof genauso wie Komödiantin.
Und sie läßt Aurora auch singen. Operettenmelodien, zur Aufheiterung beim Putzen. Das Weiße Rössl, die Lustige Witwe, das ganze Wunschkonzertprogramm und dann auch noch die Azucena. Alles ohne Orchester oder Klavier, quasi „nackt“ singt sie und gewinnt auf ganzer Linie. Sie kann’s halt, die Marianne Lang, und deshalb darf Aurora dann auch einspringen, für die erkrankte „Azucena“. Ein kleines Happy End…

Zum Werbetext des Theaters sollte man noch Tiefgang und hervorragende Gesangseinlagen hinzufügen. Dann hätte man die Quintessenz des Stücks, das als mobile Produktion unterwegs ist.

Weitere Informationen: www.theater-hof.com

Alexander Hauer, Premiere 1. Oktober 2012
Redaktion: Frank Becker