Mädelsabend

„Natürlich blond“ von Heather Hach mit beachtlichen Sidekicks

von Frank Becker

Annika Tahiri - Foto © Martin Mazur
Mädelsabend
 
„Natürlich blond“ von Heather Hach
mit beachtlichen Sidekicks
 
Inszenierung: Dustin SmailesMusikalische Leitung: Stefan HüfnerChoreographie: Paul KribbeBühne & Kostüme: Kerstin FaberMaske: Christin Korte
Besetzung: Elle Woods (Sophie Schwerter, Annika Tahiri) – Emmett Forrest (Christian Michalak, Florian Siegmund) – Professor Callahan (Michael Baute, André Klem) – Paulette Buonufonté (Sabine Henke, Karolin Hummerich) – Warner Huntington III (Christoph Ebel, Jonathan Lutz) – Vivienne Kensington (Saskia Deer, Elisabeth Wahle) – Brooke Wyndham u.a. (Nina Jestel, Natascha Neugebauer) – Enid Hoopes u.a. (Clarissa Bruhn, Kerstin Trant) – Kyle u.a. (Phillip Flanze, Maximilian Leuchter) – Nico u.a. (Regaip Cetin, Vassilis Sachinidis)
 
Ich könnte jetzt mit einem Blondinenwitz anfangen, um die Schenkelklopfer auf meiner Seite zu haben. Tu ich aber nicht, denn das treuherzige

Michael Baute - Foto © Martin Mazur
Bekenntnis zur Haarfarbe Blond und die amüsante Moral, die in dem Buch von Heather Hach und der ein wenig dem erfolgreichen Film mit Reese Witherspoon (Regie: Robert Luketic) abgeschauten Inszenierung des TiC-Theaters (Dustin Smailes) stecken, verbieten es. Ausgezeichnet besetzt feierte „Natürlich blond“,
vom Publikum begeistert angenommen, am vergangenen Freitag seine Wiederaufnahme im „Atelier“ des Wuppertaler Theaters, das sich schon seit vielen Jahren einen guten Namen auch als Musical-Bühne erarbeitet hat. Ein Blick in den vollbesetzten Saal zeigte, daß die Damen doch ein wenig in der Überzahl und nur wenige wirklich blond waren. Einige größere weibliche Gruppen nutzten den Anlaß zu einem Mädelsabend, wie die Schwestern Helga und Elke mit ihren Töchtern Jana und Ilka sowie Nina, Lena und Maren.
 
Die Geschichte ist schnell umrissen: Scheinbar dummes Blondchen in Pink Elle Woods (stimmgewaltig: Annika Tahiri) wird vom College-Freund Warner Huntington III (Jonathan Lutz) verlassen, als er einen Studienplatz für Jura in Harvard bekommt und „höhere Ziele“ anstrebt. Um ihm zu beweisen, daß sie das auch schafft, büffelt sie und wird als exotische Ausnahme ebenfalls an der juristischen Fakultät angenommen. Aber Warner hat sich längst mit der wohlhabenden Vivienne Kensington (charakterstark: Saskia Deer) verlobt und zeigt ihr die kalte Schulter. Von Vivienne und Warner vorgeführt, bekommt sie Unterstützung von Uni-Assistent Emmett Forrest (äußerst liebenswert: Florian Siegmund) und dem strengen Professor Callahan (hervorragend: Michael Baute), der sich später jedoch als ein „#Me too“ Anwärter erweist. Einem ersten juristischen Paukenschlag für Elle in einem Mordprozeß folgt deshalb der moralische Absturz, doch die Unterstützung durch ihre Freunde, zu denen mittlerweile auch Vivienne zählt, gibt ihr neuen Mut. Happy End? Na klar.


v.l.: Nina Jestel, Clarissa Bruhn - Foto  Martin Mazur

Besonderes Vergnügen machen bei der Inszenierung die treffsicher eingesetzten „Sidekicks“ und guten Geister der Hauptfigur, nämlich Nina Jestel u.a. als Brooke Wyndham und die im Prozeß angeklagte, mustergültig durchtrainierte Fitness-Trainerin; sowie Clarissa Bruhn u.a. als kesse Enid Hoopes und flapsige Zeugin vor Gericht. Diese beiden jungen Damen, jede ein wirklicher Gewinn für das Ensemble des TiC, spielen bereits mit derart professioneller Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, daß man ihnen besonderen Respekt zollen muß. Michael Baute mit bemerkenswerter Sprecher-Stimme und Florian Siegmund als Sympathieträger bringen als Antipoden mit ihren Figuren gelungen starke Charaktere auf die Bühne, wie auch Saskia Deer wandelbar als Vivienne und Sabine Henke in ihrer komischen Rolle. Annika Tahiri läuft erst im zweiten Teil des Stücks zur Hochform auf, dann aber richtig! Vielleicht liegt es ja an der besseren Garderobe, denn im ersten Teil hat man sie in ein wirklich un-mög-li-ches Kleid gesteckt.


Die Chemie stimmt, nur am Krawattenknoten müssen wir noch arbeiten! - Florian Siegmund, Aniika Tahiri - Foto © Martin Mazur

Unterm Strich ein vergnüglicher Abend mit einem engagierten Ensemble, gelungener Musik, schönen Choreografien und einer Vielzahl gelungener Gags. Nicht nur als Mädelsabend (s.o.) - und mit Sicherheit auch in der alternativen Besetzung - sehr zu empfehlen.
 
Weitere Informationen:  www.tic-theater.de